System change, not climate change

Kundgebung am St. Kassiansplatz am Montag, 19. September 2022 um 19:00 Uhr

Im Rahmen der Kundgebung zeigen wir den neuen Dokumentarfilm von labournet.tv

Der laute Frühling – gemeinsam aus der Klimakrise

Seit Beginn der UN-Klimakonferenzen im Jahr 1992 sind die jährlichen CO2-Emissionen nicht zurückgegangen. Vielmehr haben sie um über 60 % zugenommen. – Warum?
Und vor allem: Wie können wir den Klimawandel aufhalten?

In der globalen Klimabewegung setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es so nicht weitergehen kann und dass wir einen Systemwechsel brauchen.
In „Der laute Frühling“ schauen wir mit Hilfe von animierten Sequenzen in die Zukunft und beschreiben, wie jene tiefgreifende gesellschaftliche Transformation, die wir brauchen, aussehen könnte.

labournet.tv

Rede zur Kundgebung

Nachdem man südlich der Alpen schon länger mit den Veränderungen fertig werden muss, gibt es seit wenigen Jahren auch ganz offensichtliche Folgen hier in Deutschland. Während die jährlichen Waldbrände im Süden zur immer wiederkehrenden Nachricht werden, brennt dieses Jahr auch Brandenburg.
Man will es nach den letzten Tagen kaum glauben, aber bis vor Kurzem war alles trocken, kaum Niederschläge, sinkender Grundwasserspiegel…
Während letztes Jahr das Aartal noch überflutet war, leiden die Menschen – und vor allem die Landwirtschaft – dort jetzt an einer Dürre. Genau jetzt, wo die Ernährungversorgung eh schon “nicht gesichert” ist, dörrt das bisschen Nahrung, das in Deutschland selbst produziert wird, auf den Feldern aus.
Und außerhalb unserer Sichtweite hat der Klimawandel schon längst viel heftiger zugeschlagen. Es wird wohl kein Zufall sein, dass immer mehr Landstriche gleichzeitig Wetterextreme irgendwo zwischen Flut und Dürre erleben müssen. Zu Ernteausfällen kommt verschmutztes oder fehlendes Trinkwasser. Und alles, was wächst, sollte am besten exportiert werden… sogar das Trinkwasser wird abgegraben und in Flaschen nach Europa geschifft.
Es ist unübersehbar, dass ein Wandel nicht nur wichtig wäre, sondern tatsächlich überlebensnotwendig ist. Währenddessen beweist der kapitalistische Kosmos seine absolute Unfähigkeit sich an neue Umstände anzupassen und eine lebenswerte Welt zu erhalten.
Schon seit Jahrzehnten wussten Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bescheid, dass ein “Weiterso” nicht mehr funktionieren kann. Blöd nur, dass das, außer in der Wissenschaft, nicht wirklich von Interesse war.
Für die Politik hat es bis zu diesem Jahr gedauert, dass zum Energie- und Wassersparen aufgerufen wird… nur aufgerufen, wohlgemerkt. Dafür hat es erst einmal einen Krieg und eine Sanktionspolitik gebraucht, damit man Privathaushalte zum Sparen ermahnt! Dass es dabei nicht um Nachhaltigkeit geht, ist eindeutig.
Kaum will man kein Gas mehr aus Russland, ist wieder jede Art der Energiegewinnung recht: Kohle, Atom, Frackinggas… Hauptsache es ist genug Energie für die Wirtschaft da, die Sachen produziert, die sich eh bald kein Mensch mehr leisten kann. Aber wer friert denn nicht gerne im Winter, dafür, dass im selben Takt wie zuvor Autos produziert werden können?
Es sind schließlich die Autos, die ganz Deutschland nutzt, wenn der öffentliche Nahverkehr für den täglichen Gebrauch zu teuer ist… wenn er denn überhaupt außerhalb der Ballungszentren fährt.
Wenn auch auf die Produktion von Elektroautos umgestellt wird, wofür wir nur noch kurz den halben afrikanischen Kontinent umgraben müssen, ist dann damit irgendeine Sicherheit für die Zukunft geschaffen? – Nein, natürlich nicht. Aber immerhin ist dann bewiesen, dass den Firmen Mensch und Umwelt woanders genauso egal sind wie vor und in den eigenen Produktionshallen. Genau hierin liegt das Kernproblem: die heutigen Umweltprobleme sind uns zwar durch Jahrzehnte und Jahrhunderte des Kapitalismus beschert worden, können aber nicht von selbigem gelöst werden. Es gibt keinen grünen Kapitalismus und wenn es ihn gäbe, würde er nicht genutzt, weil Wachstum auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt – auf Kosten der ganzen Welt – viel schneller, einfacher und vor allem billiger geht.
Es sollte schon lange nicht mehr darum gehen, unser fehlgeleitetes Wirtschaftssystem grün anzustreichen, sondern sich davon loszusagen. Es gab noch nie einen Zeitpunkt, der es nötiger hatte, neue Strukturen aufzubauen, die durchschaubar, kontrollierbar und vor allem verträglich für die Welt sind.
Dass zum Erhalt einer lebenswerten Erde ein Systemwechsel unvermeidbar ist, wird auch im Film thematisiert, aber ich will gar nicht über den Film reden und wir schauen ihn lieber an.

Werbung