Boğaziçi-Universität | Gegen die autoritäre Formierung des Erdogan Regimes

Lehre und Wissenschaft ist weltweit abhängig von staatlichen Geldern, öffentlichen Ehrenämtern und sogar Drittmitteln obskurer Firmengeflechte. Die Universität dient damit als Bindeglied zur Vorbereitung einer profitorientierten Wissenschaft, die es selten zulässt, über ihre kapitalistische Lehre hinaus zu forschen und zu entwickeln. Abhängig von ihren Geldgeber_innen kann eine Universität daher niemals als wissenschaftlich neutral oder unabhängig betrachtet werden. Um den kapitalistischen Monopolanspruch auch möglichst an Universitäten durchzudrücken und sie damit abhängig zu machen, werden Hierarchien legislativ gefördert und notfalls auch mit brutaler Gewalt gegen den Willen von Studierenden durchgesetzt. Dementsprechend sind Universitäten hierarchisch aufgebaut und entsprechen nicht einmal den Ansprüchen einer bürgerlichen Demokratie.

Immer wieder gibt es Student_innenproteste, deren Ursprünge und Ziele sehr unterschiedlich sind. Am bekanntesten sind die Revolten in den 60-er Jahren, in denen von den Universitäten revolutionäre Impulse in verschiedensten Ländern in die Gesellschaft hineingewirkt haben.

In der Türkei hat sich aktuell der Funke an der Boğaziçi-Universität aufgrund der Abschaffung eines der wenigen demokratischen Rechte entzündet, nämlich Rektoren selbst zu wählen. Durch die Präsidialdiktatur kann Erdoğan auch an Universitäten an die Spitze setzen wen er will. An der liberalen Boğaziçi-Universität ist er mit der Einsetzung eines AKPlers auf unerwarteten Widerstand gestoßen. Seit 4 Wochen wehren sich Studierende und Lehrende gegen diesen Angriff auf ihre letzten Rechte. Und sie sind dabei sehr mutig und standfest. Denn ihr Protest lässt sich nicht mit Protest hier vergleichen. Die Türkei hat sich in den letzten Jahren in ein offen faschistisches System gewandelt. Jeder Widerstand ja selbst jede kritische Äußerung soll im Keim erstickt werden und wird repressiv verfolgt. Repression bedeutet aber nicht nur das äußerst brutale Vorgehen der Polizei auf der Straße, nein Hausdurchsuchungen und Festnahmen, Misshandlungen und Folter bei Verhören sind an der Tagesordnung. Auch wenn die Betroffenen wieder frei gelassen werden, soll ihnen ihr bisheriges Leben unmöglich gemacht werden. Zehntausende Menschen wurden aus ihren Arbeitsstellen entlassen, es wurde ihnen ihre finanzielle Lebensgrundlage entzogen.

Nichtsdestotrotz kämpfen die Menschen in der Türkei weiter. Der Kampf an der Boğaziçi-Universität bekommt Solidarität von anderen Universitäten aus verschiedensten Städten der Türkei. Auch dort wird jeder Protest, jedeDemonstration heftig angegriffen. Aber das führt dazu, dass die Solidarität innerhalb und außerhalb der Türkei immer größer wird.

Wir als anarchistische Gruppe halten selbstbestimmte Lehre und Forschung, das Zurückdrängen von staatlicher und wirtschaftlicher Einflussnahme auf die Wissenschaft und eine Einbeziehung von ethischen Kriterien, damit Wissenschaft allen Menschen zugute kommt, für notwendig. An der Boğaziçi-Universität konnten zumindest Rektoren selbst gewählt werden, was nun durch das diktatorische Vorgehen Erdoğans abgeschafft wird.
Auch wir als ANA wollen heute von hier unsere solidarischen und kämpferischen Grüße in die Türkei schicken. Auf dass sich euch immer mehr Menschen anschließen und dem faschistischen Erdoğan Regime Wunden zufügen. Kämpft für die Wahl eurer Rektor_innen, kämpft für die gesamte Autonomie und Selbstorganisation eurer Unis und kämpft für die Freiheit im ganzen Land. Lasst uns das System aus den Angeln heben!

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