Radikale Perspektiven des Arbeitskampfes

Öffentliche Kundgebung mit kurzen Filmbeiträgen

Im Folgenden veröffentlichen wir unsere Redebeiträge und Links zu den Filmen.

Einleitung

Mit unserer Kundgebung wollen wir heute in etwa 60 Minuten kurze Spots auf verschiedene Bereiche von radikalen Arbeitskämpfen werfen. Welche Möglichkeiten gibt es schon heute und wo wollen wir hin. Dazu wechseln kleine Filmbeiträge und erläuternde Reden ab: Die Entwicklungen der letzten Monate haben für uns als Anarchist_innen gezeigt, dass das Problem noch immer Kapitalismus heißt und es mehr denn je drängt, dem etwas entgegen zu setzen.

Die Coronapandemie zeigt deutlich, was für viele sonst nur ansatzweise erkennbar ist. Die Bedingungen für weite Teile der Arbeiter_innen spitzen sich zu: Beschäftigte haben Angst um ihre Arbeitsplätze, die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich immer mehr – die Ausbeutung intensiviert sich – die Regierung steht auf der Seite des Kapitals: Konzerne wie Lufthansa, Thyssen Krupp, Volkswagen werden mit Milliardensummen gestützt. Auf der anderen Seite werden zehntausende Existenzen durch drastische Einkommensverluste vernichtet, Stellen werden gestrichen, Betriebe geschlossen, Immobilienpreise werden durch Spekulationen weiter nach oben getrieben und Zwangsräumungen finden statt. Für die einen wird mal kurz von den Balkonen geklatscht, für die anderen gibt es Milliarden. Die Botschaft an uns ist klar: “Systemrelevant” seien nicht wir Arbeitende, systemrelevant sind die Konzerne. Aber der Eindruck täuscht, wir haben das System nämlich in der Hand: Wenn wir es wollen, stehen alle Räder still!

Die lächerliche Parole „vor dem Virus seien wir alle gleich“ konnte von Anfang an entlarvt werden. Die Coronakrise offenbart die sozialen Verwerfungen des kapitalistischen Systems noch stärker als ohnehin schon. Doch schon lange vor Corona wurden die Auswüchse der kapitalistischen Arbeitswelt immer unerträglicher, hier in Deutschland genauso wie im europäischen Ausland. Die empfundene Machtlosigkeit führt dazu, dass sich die Betroffenen viel zu selten dagegen wehren. Hier wollen wir heute mit unserer Kundgebung ansetzen und Beispiele für Protest und Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdrückung zeigen. Das Problem ist immer das gleiche, es heißt Kapitalismus – doch die Möglichkeiten sich zu wehren sind vielfältig. Sie reichen von juristischen Schritten bis zu wilden Streiks und Fabrikbesetzungen und der Übernahme der Produktionsmittel. Betroffen sind alle Bereiche der Arbeitswelt – wir zeigen einen Film zu den Arbeitskämpfen der “Coronaheld_innen” an der Berliner Charité, spannen dann den Bogen weiter zu den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf deutschen Baustellen. Im nächsten Film geht es um die gerade in Coronazeiten so beliebten Lieferdienste, wo eine skandalöse Ausbeutung der scheinselbstständigen Fahrer_innen herrscht. Ein Blick in die Türkei und nach Griechenland wird zeigen, was mit radikalem Kampfesmut und Solidarität erreicht werden kann. Doch der Weg ist lang und steinig, auch das werden die Beiträge zeigen. Es gibt viel zu tun.

Der Glaube an die Reformfähigkeit des wachstumsbasierten Kapitalismus nimmt ab. Genau daran gilt es als Linke anzuknüpfen und den Neoliberalen, Nationalisten und Faschisten etwas entgegenzusetzen. Denn für uns ist klar, dass der Markt es eben nicht regelt, und der Staat auch nicht. Wir müssen als Linke selbstbewusster und lauter unsere Inhalte einbringen. Das Ende des Neoliberalismus muss erkämpft werden! Dazu müssen wir alle zusammen stehen und internationale Solidarität leben! Zwischenstaatliche Konkurrenz muss ein Ende haben, bis hin zur Auflösung der Staaten. Nur durch grenzenlose Solidarität und Kämpfe kann der Kapitalismus überwunden und die weltweite Lohnknechtschaft beendet werden.

Charité

Der erste Film, den wir sehen werden, handelt von einem Streik an der Charité in Berlin, der im September diesen Jahres lief. Die Charité ist das älteste Krankenhaus in Berlin und gehört zu 100 % diesem Bundesland. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist der Berliner SPD-Bürgermeister Michael Müller.

Im Film geht es um einen Streik der Mitarbeitenden des Facility Management, also alle die, die mit Bewirtschaftung, Logistik, Krankentransport usw. zu tun haben. Das Faciliy Management der Charité wurde vor einiger Zeit in eine Tochtergesellschaft, die Charité Facility Management GmbH, kurz CFM ausgegliedert mit verschiedenen negativen Folgen für die Mitarbeitenden. Z. B. sind sie seitdem nicht mehr im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, dem TVöD.

Dieser Vorgang, also das Ausgliedern in ein Tochterunternehmen, ist ein typisches Vorgehen von Konzernen. Nicht nur die Haftung für Verluste bzw. Umlagerung von Gewinnen werden zugunsten der Muttergesellschaft ausdifferenziert, sondern das Ganze führt auch zu einer Ausdifferenzierung der Mitarbeitenden. Das bedeutet, Menschen arbeiten zwar räumlich und inhaltlich zusammen, sind aber an unterschiedliche Arbeitgeber gebunden. Das erschwert den gemeinsamen Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und solidarisches Verhalten, weil alle unterschiedliche Ausgangslagen haben.

Das besondere an diesem Beispiel des Arbeitskampfes ist, dass der Arbeitgeber kein reiner Wirtschaftsakteur ist, sondern eben auch ein politischer, nämlich der Berliner Senat. Der hat eine rotrotgrüne Mehrheit und im Koalitionsvertrag für 2016-2021 wurde vereinbart, dass alle Mitarbeitenden des Facility Managements wieder in den TVöD aufgenommen werden sollen, was zum Zeitpunkt der Streiks noch nicht passiert ist.

In diesem Beispiel agiert der Staat, also der Berliner Senat, wie jedes andere Unternehmen. Die Idee, der Staat schützt uns vor zu harten Folgen des Kapitalismus, wird hier exemplarisch widerlegt. Der Senat hat selbst Spar- bzw. Gewinnabsichten, denn auch Länder und Bundesländer konkurrieren miteinander. Bezüglich höherer Ausgaben im Sozial- und Gesundheitsbereich wird regelmäßig die „schwarze Null“ betont und jetzt, in Zeiten von Corona „gibt es ja eh nichts zu verteilen“. Für den neuen Berliner Flughafen und andere Investitionen des Senats war natürlich trotzdem Geld da.

Der Senat bzw. der Staat an sich muss also im Arbeitskampf wie jedes andere Unternehmen betrachtet werden. Der Streik ist in diesem Fall noch deutlicher als anderswo politisch.

Noch eine Ergänzung zum Stand des Streiks, nachdem der Film gemacht wurde: Am 29. und 30.September, also letzte Woche, fand im Zuge der bundesweiten Kampagne für kommunale Tarifbeschäftigte ein Warnstreik von Beschäftigten der Charité und eines anderen Klinikums für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen statt. Diesmal sollte aber neben den Forderungen zum TVöD im 2-tägigen Warnstreik auch deutlich gemacht werden, dass eine Spaltung der Belegschaft nicht länger geduldet wird. Das Motto „Ein Betrieb, ein Tarifvertrag“ wurde übernommen. Durch diese Solidarität wird der Arbeitskampf auf eine neue Stufe gebracht und hat deutlich bessere Aussichten auf Erfolg.

Link zum Film

Baustellen in Regensburg und die Mall of Shame in Berlin

Bauarbeiter haben sich auf ihren Kränen verbarrikadiert, harren dort sogar über Nacht.aus. Warum? Sie sind in einen wilden Streik getreten, weil sie mehrere Wochen ihre Löhne nicht bekommen haben. Die 25 Arbeiter kommen aus Ägypten, arbeiten für ein italienisches Bauunternehmen. So geschehen diesen August in Regensburg. Ein unerfreulicher Einzelfall? Nein. In Deutschland werden systematisch Tausende von migrantischen Arbeiter_innen ausgebeutet. Das rassistische System teilt Menschen in Klassen auf, die man mehr oder weniger ausbeuten kann. Menschen ohne Aufenthaltsstatus, ohne Sprachkenntnisse oder Kenntnisse über ihre Rechte in Deutschland, Menschen, deren Lebenssituation so prekär ist, dass sie bereit sind, höhere Risiken und schlechtere Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen. Überall auf deutschen Baustellen existieren undurchschaubare Netzwerke von Subunternehmen und Subsubunternehmen, für die überwiegend migrantische Bauarbeiter tätig sind. Durch taktische Insolvenzen oder schlichtes Abtauchen der ausländischen Subunternehmerentziehen sich diese ihrer Verantwortung. Und wer profitiert von diesem System? Die großen Baukonzerne, die Lohnkosten outsourcen und im Falle von Lohnausfällen und Arbeitsrechtsverletzungen darauf hoffen, dass sie durch das undurchschaubare Geflecht von Subunternehmen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Sie profitieren davon, dass Wanderarbeiter kaum organisiert sind, mangels Sprachkenntnissen wenig Möglichkeiten haben, ihre Rechte zu kennen, geschweige denn durchzusetzen. Doch diese Rechnung geht nicht immer auf. Nämlich dann, wenn Arbeitnehmer_innen beginnen, sich zu wehren, begleitet durch solidarische Gewerkschaften und eine kritische Medienberichterstattung. Im Regensburger Fall wurden die ausstehenden Löhne zum Teil beglichen, doch die Situation war unübersichtlich, eine Solidarisierung der anderen Arbeiter auf der Großbaustelle fand nicht statt.

Ein anderer Fall, der bundesweit für aufsehen gesorgt hat, war die Mall of Berlin, besser bekannt als Mall of Shame. Wieder eine Großbaustelle, für ein riesiges Einkaufszentrum in Berlin, wieder Arbeitsmigranten, die um ihre Löhne beschissen wurden. Wieder ein Netz von Subunternehmen.

Doch die Bauarbeiter organisierten sich mit Hilfe der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft Freie Arbeiter- und Arbeiterinnen Union, auch bekannt als FAU.

Sieben rumänische Bauarbeiter, die an der Baustelle der Mall of Berlin 2014 um ihre Löhne geprellt wurden, hatten zunächst die verantwortlichen Subunternehmen vor Gericht gezogen. Als sie Recht bekamen, haben die Subunternehmen jedoch Insolvenz angemeldet oder sind einfach abgetaucht. Auch die deutsche Generalunternehmerin der Baustelle, hatte Insolvenz angemeldet – bereits kurz nachdem die Proteste der FAU Berlin im Winter 2014 losgingen.

Nachdem bei den Subunternehmen und dem Generalunternehmen nichts zu holen war, sind zwei der Bauarbeiter den juristischen Weg weitergegangen und gegen die Bauherrin und Investorin, die HGHI Leipziger Platz, vor Gericht gezogen. Als größte Profiteurin und einziges solventes Glied in der Kette trägt sie Verantwortung für den Lohnraub auf der Baustelle.

Durch ihren Widerstand haben die rumänischen Kollegen auf die perfiden Ausbeutungssysteme deutscher Baustellen aufmerksam gemacht und dabei viel Zuspruch, aber auch praktische Unterstützung erfahren. Obwohl auf dem juristischen Weg zunächst Ansprüche gegen die Subunternehmen und die Generalunternehmerin geltend gemacht werden konnten, erwies er sich zuletzt doch als Sackgasse: Der größte Profiteur bleibt außen vor.

Daraus lässt sich ableiten, Die Kämpfe um Löhne und Gerechtigkeit müssen vor allem in den Betrieben und auf den Straßen ausgetragen werden. Juristisches Vorgehen alleine reicht nicht.

Im vergangenen Jahr wurden auf einer anderen Baustelle der Bauherrin und Investorin wieder Arbeiter um ihre Löhne geprellt. Auch sie protestierten und hielten Kundgebungen ab. Diesmal ist der Bauherr schnell eingeknickt. Wahrscheinlich hatte er Angst, dass daraus ansonsten eine zweite Mall of Shame wird.

Im Frühjahr wird hier in Regensburg wieder kräftig weitergebaut, und auch die Ausbeutung wird sich fortsetzten. Für uns heißt das wachsam bleiben, praktische Solidarität mit Betroffenen zeigen und Proteste auf die Straße tragen.

Link zum Film

Arbeitskampf bei Deliveroo/Lieferando

Durch allgegenwärtige Pandemie ist die Auslastung der Lieferdienste drastisch gestiegen. Der Lockdown hat Gastronomiebetriebe dazu gezwungen alternative Möglichkeiten zu finden, Kund_Innen mit ihren Angeboten zu versorgen. Die Nachfrage nach Kurierdienstleistung ist somit gestiegen, allerdings nicht zum Vorteil der Arbeitnehmer_Innen, sondern viel eher zum Vorteil der Unternehmen.

Die Situation der Arbeitnehmer_Innen von Fahrradkurierunternehmen ist höchst problematisch. Fahrradkuriere des französischen Dienstleisters Deliveroo, kommen keine der finanziellen Hilfen zugute, die als Unterstützung für selbstständig Arbeitende vorgesehen sind. Dies ist vollkommen unverständlich. Die de facto selbstständig arbeitenden Fahrradkuriere haben ein Anrecht auf finanzielle Unterstützung, da auch sie nicht von den Auswirkungen der Corona-Pandemie unbetroffen bleiben. Die Arbeitsbedingungen der französischen Fahrradkuriere von Deliveroo sind prekär. Eine 50-Stunden Woche ist normal für die Kuriere, da die Nachfrage nach gelieferten Gegenständen stetig steigt. Das Infektionsrisiko ist hierbei enorm, da es sich bei Deliveroo nicht ausschließlich um einen Dienstleister für Essen handelt, sondern auch Produkte aus Supermärkten oder Ähnlichem genutzt werden kann. Die Fahrer_Innen befinden sich somit oftmals an Orten mit hoher Personendichte und müssen ein hohes Infektionsrisiko akzeptieren um ihrer Arbeit nachzugehen. Die offensichtliche Frage die sich stellt ist die der Notwendigkeit. Ist es wirklich notwendig für eine Packung Gummibärchen einen Fahrradkurier anzufordern?

Die Fahrer_Innen haben am 3. April mithilfe der CGT gegen die Arbeitsbedingungen gestreikt, entgegen des Beschlusses, dass Kurier-und Lieferdienste „notwendig für die Nation“ sind und eine Niederlegung der Arbeit somit nicht erlaubt ist.

In Deutschland stehen Arbeiter_Innen des Lieferdienstes Lieferando ebenso vor unhaltbaren Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen stellt den Fahrer_Innen keinerlei Schutzausrüstung, wie Masken, Handschuhe oder Desinfektionsmittel zu Verfügung. In einer Mail vom Unternehmen, die wohl eine Hygieneschulung ersetzen soll, heißt es: „Wascht euch regelmäßig die Hände“. Leichter gesagt als getan, da die teilnehmenden Restaurants nicht willig sind den Fahrer_Innen Zugang zu ihren Toiletten zu gewähren. Der Schutz der Fahrer_Innen geht somit auf ihre eigene Rechnung. Auch die vor der Pandemie von Lieferando zu Verfügung gestellten Pedelec-Fahrräder werden aus hygienischen Gründen nicht mehr eingesetzt. Die Fahrer_Innen müssen somit auf ihre eigenen Fahrräder zurückgreifen, die nicht immer für den Transport von Lasten geeignet sind. Lieferando kompensiert die Fahrer_Innen dafür mit einer unzureichenden Pauschale von 44 Euro im Monat für die Instanthaltung der Fahrräder.

Einige Fahrer_Innen organisieren sich über die FAU um einen wirksamen Kampf für verbesserte Arbeitsbedingungen starten zu können.

Link zum Film

Streik bei Flormar – Widerstand macht schön!

Im Mai 2018 wurden 135 hauptsächlich weibliche Arbeiter_innen der Flormar Kosmetikfabrik im türkischen Gebze entlassen, weil sie der oppositionellen Gewerkschaft Petrol İş beigetreten sind. Von da an haben sie jeden Tag vor den Fabriktoren protestiert und ihre Wiedereinstellung gefordert. Die Arbeiterinnen haben das Streikzelt jeden Morgen so besucht, als würden sie arbeiten gehen. Obwohl ihnen dabei die Bedingungen so schwer wie möglich gemacht worden sind, z.B. wurde ihnen im Winter im Zelt kein Ofen erlaubt, und sie auch keinerlei finanzielle Unterstützung erhalten haben, haben sie ihren Widerstand fast ein Jahr durchgezogen. Weil 51% von Flormar dem französischen Mutterunternehmen Yves Rocher gehören, haben sie sich auch an diesen Konzern gewandt. Ives Rocher hat jedoch die Forderungen der Arbeiterinnen ignoriert und sich geweigert zu verhandeln oder Verantwortung für diesen Fall von Union Busting in der Türkei zu übernehmen. Deshalb hatten die Arbeiterinnen auch zum Boykott von Waren von Yves Roches aufgerufen.

Konsequenter Arbeitskampf von Frauen ist keine Selbstverständlichkeit. Besonders in der Türkei, wo Frauen nicht nur gegen die Widerstände im Betrieb ankämpfen, sondern auch massiven Widerständen in Familie und Umfeld ausgesetzt sind. Außerdem verschärft sich die Situation für Frauen seit Jahren unter dem faschistischen und islamistischen AKP Regime massiv. Deshalb ist es für die kämpfenden Frauen in der Türkei um so wichtiger, dass sie Unterstützung und Solidarität sowohl in der Türkei als auch weltweit erfahren. Der Widerstand gegen Flormar hat bei den kämpfenden Arbeiterinnen zu einer neuen Selbstorganisation geführt. Mit neuem Selbstbewusstsein haben sie sich als politische Arbeiterinnen organisiert. Dass es innerhalb der Türkei und weltweit viel Aufmerksamkeit, Unterstützung und Solidarität gab, hatte sie während ihres Kampfes gestärkt. Anfang 2019 hatten die Frauen vom labournet.tv Filmkollektiv und Frauenstreik Berlin zwei der entlassenen Arbeiterinnen nach Berlin zum Austausch und einer gemeinsamen Protestaktion eingeladen. Darüber sehen wir jetzt gleich einen kurzen Film. Auch das war Teil der internationalen Zusammenarbeit und Solidarität.

Am Ende haben die Arbeiterinnen zwar nicht ihre Wiedereinstellung erreicht, aber sie haben Gehalt für die Zeit ihres Protestes und eine Abfindung erhalten. Zudem hat die äußerst lang durchgezogene Widerstandsaktion türkeiweit mobilisiert und gerade auch Frauen gestärkt, ihre Rechte einzufordern. In der Türkei gibt es eine starke Frauenbewegung, das Besondere war jedoch die Organisation von arbeitenden Frauen in der Fabrik. Das ist in einer Zeit, in der Erdogan eine zutiefst frauenfeindliche Politik vorantreibt, nicht hoch genug einzuschätzen.  

Wir wollen die besondere Bedeutung von Frauen in Arbeitskämpfen aufzeigen und wie wichtig internationale Solidarität und Zusammenarbeit bei Arbeitskämpfen sind. Ausbeutung findet weltweit statt und macht an keinen Grenzen halt. Unsere Antwort darauf kann nur gemeinsamer Kampf sein!

Link zum Film

vio.me: Besetzen – Verteidigen – Produzieren

Der Bericht von der besetzten Fabrik Vio.Me in Thessaloniki ist von vergangenen Jahr. Die Arbeiter_innen versuchen aktiv Teil einer alternativen Ökonomie von unten zu sein, da bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse nicht den Menschen dienen, sondern die Menschen den Profiten geopfert werden. _ In der von den Arbeiter*innen besetzten Fabrik produzieren sie Seife. _ Doch nicht nur das, viel wichtiger: in ihrer Fabrik schaffen sie würdevolle Arbeit für Menschen die in Würde leben und arbeiten können. Selbstbestimmt und selbstverwaltet, ohne das stehts lauernde Damoklesschwert sogenannter “Betriebsoptimierungen” oder “Strukturreformen” über ihren Häuptern. _ Was aber bedeutet dieses Wort? _ Würde? _ Ist es nur die hohle Fraße die allzugerne vor leeren Versprechen proklamiert wird? Bereits im ersten Satz der Erklärung der Menschenrechte wird die Anerkennung der Würde aller Menschen als die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt benannt. _ Und auch das deutsche Grundgesetz setzt die Würde des Menschen direkt zu Beginn als unantastbar. Doch sobald es sich durch wirtschaftliche Interessen rechtfertigen lässt, wird die Würde des Menschen mit Füßen getreten! _ Sobald die Aktionäre großer Firmen nach ihrer Rendite geiern, sind die Agenten des Kapitals zur Stelle um mit “Betriebsbedingter Optimierungen”, Kurzarbeitergeld, Sub-Unternehmertum und ähnlichen Entwürdigungen die Profite zu stützen und zu schützen. _ Entwürdigung? Ja, Entwürdigung! _ Wie das? mag man sich fragen, und ich will es denen, die es nicht bereits erkannt haben erklären: Welchen hübschen Begriff man auch verwendet, eine Kündigung bleibt eine Kündigung. Und selbst Kurzarbeitergeld heißt für die wenigsten nur weniger Shopping, oft heist es Rückstand bei der Mietzahlung, qualitativ schlechteres oder weniger Essen auf dem Tisch und bei längerer Gehaltskürzung vielleicht sogar den Verlust der eigenen Wohnung. Unsicherheiten unter denen kein Mensch in Würde und Frieden leben kann. __ In einem System in dem solche Schiksale – wie 2 jähriger Lohnausfall bei Vio.Me – nicht nur vom Staat, sondern auch von großen Teilen der Bevölkerung mitgetragen werden, dort erscheint mir der Begriff “Würde” nicht mehr angemessen! _ Und diese Verhältnisse finden wir nicht nur in Griechenland, sondern überall! Überall dort wo der Kapitalismus und seine entwürdigenden Prinzipien die Menschen unter sienen Mühlen zermalmt._ Auch hier bei uns, direkt in unserer sogenannten Mitte! Wo die gesellschaftliche Akzeptanz lauter Forderungen nach Lohnerhöhungen auf einen einzigen Tag im Mai datiert wurden, _ wo Tarifverhandlungen nicht auf Augenhöhe geführt werden können, da das Kapital jederzeit anderswo angelegt werden kann, während die Arbeitnehmenden zurückbleiben, _ wo Krankenpfleger*innen und andere Care-Arbeitenden einmalig 300€ und einen kurzen Applaus erhalten, bevor man sie als das “überlastete Rückrad der Gesellschaft” möglichst schnell von der Bühne der Öffentlichkeit hinabkomplementiert. Und all das leider nicht erst seit heute. _ Ein Staat kann zweierlei tun: Entweder er stützt und festigt die bestehenden Machtverhältnisse und begünstigt damit weiterhin die Unterdrückung und Ausbeutung von Lohnabhängigen, von Minoritäten und vielen anderen, oder er ist bemüht darum diese schreiende Ungerechtigkeit zu bekämpfen! Eine Demokratie die sich nicht für den Abbau von Menschen unwürdigen Verhältnissen einsetzt, ist kein gemeinschaftliche Organisation des Zusammenlebens, sondern eine Herrschaft der Reichen, der Priviligierten und _ der Apathie der Menschen, die täglich von der Ausbeutung anderer profitieren ohne reflektiert mit ihrem eigenen Wohlstand umzugehen! _ Solange Arbeitskampf nur in den Kettebn seiner Institutionalisierung rasselt, solange kann noch nicht einmal der Samen für menschliche Würde gesät werden! _ Wir fordern euch auf: Übernehmt Verantwortung! Erhebt eure Stimmen, nur gemeinsam und gleichberechtigt können wir für die Würde aller Menschen eintreten, ob im Betrieb, der Straße oder auf den Barrikaden! _ Vio.Me zeigt uns, dass es möglich ist und auch wie! Es ist an uns diese entwürdigenden Verhältnisse zu beenden!

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