Unsere Rede zur 1.Mai Kundgebung in Regensburg

Was war:

„Die Zeit wird kommen, da unser Schweigen im Grabe mächtiger sein wird, als die Stimmen, die ihr heute erdrosselt.“
(August Spies)

Als Ende des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1886, hunderttausende Arbeiter_innen in den Streik für den 8-Stunden-Tag getreten sind verloren viele Arbeiter_innen ihr Leben und vor alllem die anarchistische Arbeiter_innenbewegung wurde in Folge mit Repression überzogen. t.
Seit 1890 wird dieser Tag, nachdem die II. Internationale dazu aufrief, die Streiks für den 8-Stunden-Tag nicht zu vergessen, als internationaler Arbeiter_innenkampftag weltweit begangen.

Was ist:

„Man muss die Arbeiter nicht so sehr dazu auffordern, die Arbeit niederzulegen, als vielmehr dazu, sie unter eigener Regie fortzuführen.“
(Errico Malatesta)

Zweifelsohne war der 8-Stunden-Tag ein großer Erfolg der Arbeiter_innenbewegung. Als Anarchist_innen ist uns aber klar: Wir bleiben abhängig vom Lohn der sogenannten Arbeitgeber_innen. Natürlich unterstützen und kämpfen wir für die Forderungen nach weniger und gerechter bezahlter Arbeit, fest steht aber: Es gibt kein “gerecht” solange wir abhängig vom Geld für unsere Arbeit sind. Niemand soll von irgendjemanden oder irgendetwas ausgebeutet werden. Niemand soll – ob mit Geld, Macht oder Gewalt – über irgendjemand anderen herrschen. Diese vielfältigen Formen von Gewalt und Herrschaft sind es, die es radikal zu bekämpfen gilt. An Stelle der Gewalt, an Stelle des Kapitalismus kämpfen wir für eine freie Gesellschaft, in der Arbeit selbstbestimmt nach Interessen und Fähigkeiten statt nach Stechuhr geschieht und in der niemand ausgeschlossen wird. Wir kämpfen für eine soziale und libertäre Gesellschaft, von der jede_r ein Teil sein kann.
All denen, die behaupten, dies sei unmöglich oder Irrsinn, denen sei gesagt:
Es ist unmöglich und ein Irrsinn, wie das weltweite Vermögen aufgeteilt ist.
Es ist unmöglich und ein Irrsinn, wenn Menschen nicht über Striche auf einer Karte, den sogenannten Grenzen, gehen dürfen.
Es ist unmöglich und ein Irrsinn, dass eben diese Grenzen als etwas scheinbar schon immer existentes und natürliches akzeptiert werden.
Es ist ein Irrsinn, dass in der Corona-Pandemie die angeblich offenen Grenzen der EU als Problem dargestellt werden statt die Aufteilung der Kranken nach nationalistischen Kriterien zu verurteilen.
Es ist ein Irrsinn, dass sich viele Menschen eher ein Ende der Welt als ein Ende des Kapitalismus vorstellen können.
Diese Liste könnte unendlich fortgeführt werden. Diese Welt wie sie ist, ist unmöglich und ein Irrsinn.

Dieses Jahr, in Zeiten der Corona-Krise, zeigt ganz deutlich, wohin Kapitalismus führt. Laut Bertelsmann-Stiftung hätte jedes zweite Krankenhaus geschlossen werden sollen, und die Privatisierung von Krankenhäuser offenbart die Profitinteressen auf Kosten von Kranken und Angestellten. Ein Blick auf die sogenannten systemrelevanten Bereiche zeigt, dass hier mehrheitlich Frauen arbeiten, die unterdurchschnittlich bezahlt werden. Profit vor Gesundheit und eine Ungleichbehandlung der Geschlechter sind nur zwei der widerlichen Gesichter des Kapitalismus.

Was sein muss:

„Eine zukünftige Gesellschaft muss die Idee des Entlohnens der Arbeit aufgeben. Es bleibt nur eins: Die Bedürfnisse über die Leistungen zu stellen.“
(Petr Kropotkin)

Am 1. Mai ist es unsere Aufgabe klarzustellen, dass wir eine befreite Gesellschaft nur erreichen können, wenn wir den Kapitalismus überwinden. Gleichzeitig müssen wir für hier und heute unsere Forderungen lautstark rufen:

– Wir fordern, die Grenzen zu öffnen und alle Lager, sei es Griechenland oder in Regensburg zu schließen

– Wir fordern internationale Zusammenarbeit bei der Forschung nach Medikamenten und Impfstoffen. Dieses Wissen muss allen zugänglich gemacht werden. Kein Profit!

– Wir fordern die Vergesellschaftung der Krankenhäuser, so dass endlich Personal aufgestockt werden kann und dessen Sicherheit und Arbeitsbedingungen kollektiv verbessert werden können

– Wir fordern die finanzielle Aufwertung der klassischen Frauenberufe und solidarisieren uns mit bestehenden und kommenden Arbeitskämpfen

– Wir fordern die sofortige finanzielle Absicherung von „armen“ Menschen

– Wir fordern die Aufstockung des Kurzarbeitsgeldes seitens der Arbeitgeber_innen

– Wir fordern die Abschaffung von Leiharbeit

– wir fordern die sofortige Verkehrswende statt staatliche Unterstützung der Autoindustrie

Lasst uns jeden Tag kämpferisch und solidarisch voranschreiten. Eine andere Welt ist möglich!

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